Jakob, 7 Jahre
Jakob, 7 Jahre

Erdbeermarmelade stirbt nie!

Immer wieder lese ich Geschichten, die so lange spannend und plausibel sind, bis mit einem Mal jemand einen Traum träumt. Und regelmäßig denke ich: Nee, das ist nicht echt. So sind Träume nicht. Das hat sich irgendjemand ausgedacht, das merkt man.

 

Aber woran liegt das? Warum ist es so schwierig, als Autor einen Traum zu schreiben? Einen Traum, der sich wirklich so anfühlt wie ein Traum?

 

Vielleicht liegt es daran, dass ein Traum in einer Geschichte stets eine Funktion hat. Er soll etwas andeuten, etwas vorwegnehmen oder eine Gefahr oder Angst verdeutlichen.

Daher bezieht sich der Geschichten-Traum zumeist auf tatsächliche Begebenheiten in der Handlung - während der echte Traum, den man nachts träumt, zwar auch aus dem realen Leben gespeist wird, aber doch zumeist skurril verschlüsselt daher kommt.

 

Wenn man sich an Träume erinnert (und das kann man trainieren; eine Zeitlang in den Neunzigern habe ich so manchen Traum aufgeschrieben!), dann sieht man zumeist Bilder vor sich, spürt noch die Gefühle, die der Traum ausgelöst hat ... arbeiten Träume vielleicht ohne Worte und sind von daher nicht so leicht in Sätze zu fassen?

Nein. Definitiv nicht. Im Gegenteil.

 

Sobald ich abends anfange wegzuduseln, verselbständigen sich die Wörter in meinem Kopf. Manchmal wache ich sogar davon wieder auf und muss lachen. Moment mal ... WAS war das jetzt?

 

Manchmal wache ich aus einem Traum auf und habe noch die letzten Wörter im Kopf. "Erdbeermarmelade stirbt nie". Warum träume ich so etwas?

Manchmal wache ich sogar auf und habe gerade einen Begriff geträumt, der so skurril und neu ist, dass ich mich vergeblich frage, wie ich darauf gekommen bin. "Skufffläusler Schwingfliesen" zum Beispiel. Im Traum ist mir lediglich aufgefallen, dass das Wort "Skufffläusler" mit drei "f" geschrieben wird - ungewöhnlich für die Zeiten vor der Rechtschreibreform, als ich von eben jenen Schwingfliesen träumte.

Nach dem Aufwachen hingegen frage ich mich: "Skufffläusler Schwingfliesen? Bist du noch zu retten?!"

 

Ja, vielleicht ist das der Grund dafür, dass es so schwierig ist, Träume zu schreiben. Sie sind noch für die absurdeste Geschichte zu absurd.

 

Von meinem Elternhaus aus beginne ich eine Weltreise. Doch schon auf der Höhe der ersten Straßenecke fällt mir auf, dass mein Gepäck ungeschickt gewählt ist: Ich habe nur eine große Matratze bei mir, die etwa einen halben Meter breit ist. Trotzdem gehe ich mit der Matratze weiter, ich glaube, ich versuche beizeiten, auf ihr zu reiten. (...)

 

Ich habe zwei Vornamen. Es wundert mich zwar, dass ich bisher noch nichts davon wusste und mein zweiter Name auch nicht in meinem Ausweis steht. Aber meine Mutter sagt, er stünde in meiner Geburtsurkunde. Also hat alles seine Richtigkeit.

Ich heiße Alice Beavis Pantermüller und bin ziemlich stolz auf meinen zweiten Vornamen. Ich finde, dass er schön klingt und dazu auch noch sehr ausgefallen ist. (...)

 

Im Traum durchschwimme ich den Ärmelkanal und helfe dabei sogar noch einem Nichtschwimmer.

 

Ich kann schweben - und mich später im selben Traum kaum noch von der Stelle bewegen.

 

Meine Mutter hat flaschenweise von einem Parfum gekauft, das "Epitaph" heißt.

 

Eine alte Frau, die in Wirklichkeit der Teufel ist, wirft Gras durch den Briefschlitz.

 

Ein "Skinhead" mit weißem Anzug und blonden Locken demonstriert seine Macht, indem er die Fußsohlen einer anderen Person rasiert.

 

Ich will einen Traum aufschreiben, doch eine Freundin von mir ist in meinem Zimmer, sogar in meinem Bett, und macht den Fernseher an: Skispringen oder Abfahrtslauf. Wie soll man sich dabei konzentrieren können?

 

Ich habe mein Auto nicht auf dem Aldi-Parkplatz abgestellt, sondern ziehe es aus meiner Handtasche. Zwar bin ich ziemlich erstaunt darüber, dass ich den Wagen mit einer Hand hochhalten kann (und dann auch noch mit der linken!), sehe seine Fahrtüchtigkeit aber durchaus nicht darin eingeschränkt, dass der Wagen nicht länger als fünfzehn Zentimeter ist.

 

Ich bin in einem Boot vor der Küste von Arran. Hohe Felsenwände versperren den Durchgang zur Insel. Doch dann finde ich eine Lücke, fahre durch und bin auf dem Mond.

 

Ich habe meine Nieren herausoperiert bekommen ...

 

Nein. Ich nehme alles zurück.

Es geht nicht.

Es ist unmöglich, sich Träume auszudenken und in Geschichten einzubauen. Bei aller Phantasie: Wer, bitte, soll sich so einen Schwachsinn ausdenken? Im Wachzustand geht das gar nicht. Erst wenn Freund Unterbewusstsein zuschlägt, dann geht's los.

Doch leider lösen sich die meisten Träume schon wieder in kleine Unlogikwölkchen auf, bevor man richtig wach ist.

Und zurück bleibt ... die Unfähigkeit, einen Traum zu schreiben.

Vielleicht müssen wir damit leben, wir Autoren.

 

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Tabita Lee Spencer (Donnerstag, 19 Juli 2012 22:11)

    Liebe Alice, deine Träume hören sich wirklich HAARSTRÄUBEND an, ich zumindest bekomme sofort ein kribbeliges Gefühl im Bauch, wenn ich an diese komischen Fliesen denke!Noch dazu mit drei fff, das schlägt dem Fass den Boden aus! Und wieso siehst du überhaupt im Traum, mit wie vielen fffs was geschrieben ... och, herrje ...
    Ich bin ja dummerweise ein Wenigträumer, aber du kannst dich gerne mit Beate kurzschließen ... (schreibt man das so??), denn die bringt es sogar fertig den Namen "Tabita Lee Spencer" zu träumen :-)
    Deine Tabi-Su :-)

  • #2

    Kirsten Petersen (Mittwoch, 12 September 2012 21:45)

    Ich erzähl dir mal meinen Traum,den ich in Kindertagen...bzw.-nächten immer geträumt habe....wirklich,jede Nacht!Unlösbar dazu gehörte ein grünes kleines Knuddelkissen mit Seersuckerbezug.....ich habe geträumt,dass ich auf einem Transportband liege,welches einen Berg hochläuft.Oben auf der Kuppe des Berges läuft eine riesige Kreissäge....nur komme ich nie oben an!Ich habe diesen Traum geliebt!!!Bin ich morbide?Ich habe nie verstanden,was dieser Traum mir sagen wollte....er war nur irgendwann einfach nicht mehr da!Heute kann ich mich an keinen Traum mehr erinnern.....in den ersten Minuten nach dem Wachwerden sind noch Fragmente da,wenn mein Sehvermögen dann da ist,ist der Traum zur Gänze weg.....

  • #3

    tina (Dienstag, 26 November 2013 14:59)

    hallo Alice ich hab die buch mein lotta leben wie belämert ist das denn es ist echt toll und ich und mach gerade eine buch Vorstellung und nimm natürlich dein buch :)

  • #4

    Alice (Dienstag, 26 November 2013 17:44)

    Liebe Tina,
    das ist toll! Ich drücke dir die Daumen für die Buchvorstellung!
    Alice

  • #5

    Rosa (Freitag, 11 Juli 2014 14:07)

    Liebe Frau Pantermüller ich find man muss Träume fühlen wenn Träume schreiben will sind sie auch der Meinung ? Rosa


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